Ponseti-Füße
Ponseti-Füsse
Eine Infoseite zur Klumpfußbehandlung nach Ponseti
Die Behandlung > Kombination mit anderen Methoden > Zukunft-Huber
Home
Forum
Der Klumpfuß
Die Behandlung
Die Gips-
behandlung
Die Schienen-
behandlung
Schwierige Klumpfüße
Kombination
mit anderen Methoden
Zukunft-Huber
Ponseti
Theorie
und Praxis
Sammelsurium
Gästebuch

Zukunft-Huber und Ponseti

Dies ist zunächst eine kurze Zusammenfassung der Methoden um darzustellen, dass es sich um ziemlich verschiedene Konzepte handelt.

Zukunft-Huber:

Bei der dreidimensionalen manuellen Fußtherapie wird der Klumpfuß in vier Behandlungsphasen korrigiert. In jeder dieser Phasen wird ein anderer Teil der Deformität behandelt, die Ausgangslage des kleinen Patienten und die Korrekturgriffe ändern sich von Phase zu Phase. Frau Zukunft-Huber legt als Einteilung für den Schweregrad den Score nach Dimeglio zugrunde, der sich in 4 Grade aufteilt (I, II, III und IV).

In jeder Korrekturphase wird der Fuß mit bestimmten Griffen gedehnt. Diese Griffe sollen möglichst bei jedem Windelwechsel, ansonsten 4 mal am Tag für 15 bis 30 Minuten angewendet werden (pro betroffenem Fuß). Das Grundprinzip, das der Korrektur zugrunde liegt, ist, dass die verkürzten Strukturen so weit aufgedehnt werden, dass sich die Knochen wieder in ihre korrekte Position bewegen können (die Gelenke stehen wieder korrekt zueinander). Das wird nur über die Dehnungen erreicht, die Knochen werden nicht geführt, lediglich bei bestimmten Griffen fixiert. Dabei orientiert sich die Richtung der Dehnung natürlich am dreidimensionalen Bewegungsmuster des Fußes und geschieht immer mit der Deformität, nicht gegen sie (es wird nicht gegen eine Blockade bzw. Sperre gedehnt).

Die erreichte Korrektur wird anschließend mit einer funktionellen Binde gehalten. Dabei handelt es sich um eine Mullbinde, die um den Vorfuß gewickelt wird. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die jeweils erreichte Korrektur sich in einem sehr kleinen Bereich bewegt (das soll nicht abwertend gemeint sein).

Frau Zukunft-Huber beschreibt in ihrem Buch, dass eine operative Korrektur durch die dreidimensionale manuelle Fußtherapie bei Klumpfüßen der Typen I und II in der Regel vermieden werden kann, beim Typ III bedingt (Anmerkung dazu: In einem Fallbeispiel wird ein Fuß Typ III nach 6 wöchiger konventioneller Gipsredression behandelt. Der Fuß hat mit 2 Jahren, 7 Monaten fast die Korrektur erreicht, mit 3 Jahren, 10 Monaten ist jegliche Indikation zur OP verschwunden). Typ IV lässt sich nur über eine OP korrigieren, kann jedoch über die dreidimensionale manuelle Fußtherapie sehr gut vorbereitete werden und der Eingriff dadurch vom Ausmaß her reduziert.

Es handelt sich um eine gute Behandlungsmethode mit dem Ziel, eine operative Korrektur zu vermeiden oder zumindest so gering wie möglich zu halten. Ganz klar muss man jedoch sagen, dass die Behandlung sehr viel Konsequenz und Geduld von Eltern und Kind verlangt, da sie sehr zeitaufwändig ist und sich auch über einen langen Zeitraum erstreckt.

Ponseti:

Um die Korrektur des Fußes zu erreichen, werden bei Ponseti die Knochen von außen in ihre korrekte Stellung zurückgeführt (durch die Redression). Das gelingt über einen bestimmten Bewegungsablauf. Die Dehnung geschieht hier im Prinzip zwangsläufig, die Rückführung der Knochen kann deshalb nur stückweise geschehen. Dehnung und Knochenrückführung können hier also nur in Kombination ablaufen. Mit jeder Redression werden die verkürzten Strukturen soweit gedehnt, wie es geht. Das geschieht, bis der Fuß 70° nach außen gedreht ist, was Ponseti als notwendig ansieht, damit das Kahnbein vollständig auf den Sprungbeinkopf zurückgeführt ist und der Fuß einen normalen Bewegungsspielraum erhält. Um den Spitzfuß zu korrigieren, führt man bei der Ponseti-Behandlung die perkutane Achillotenotomie durch.

Ponseti macht die Veränderungen der Bindegewebsstruktur für die Klumpfußdeformität verantwortlich. Diese bewirkt die Verkürzung des inneren Fußrandes und der Strukturen um die Mittelfußknochen herum. Gleichzeitig ermöglicht diese Veränderung aber auch die immer weitere Dehnung. Sie verschwindet in den meisten Fällen bis zum 4. Geburtstag, womit die Gefahr eines Rezidivs dann vorbei ist.

Die Dehnung mit gleichzeitiger Rückführung der Knochen (und Korrektur der Gelenke) erfolgt bei Ponseti in der Regel in einem Zeitraum von 5 bis 7 Wochen. Die erste Redression korrigiert den Hohlfuß, indem der erste Fußstrahl angehoben (der Fuß supiniert) wird. Dann wird der Fuß in Supination und Spitzfußstellung eingegipst. Bei jeder Behandlung wird der Fuß ein (gut sichtbares) Stück weiter nach außen gestellt und danach über Oberschenkelgipsverbände fixiert - eben soweit, wie es jeweils geht. Mit dieser Technik können Füße aller vier Typen korrigiert werden. Nur sehr schwere Fälle des Typs IV müssen über ein peritalares Release korrigiert werden.

Danach kommt bei Ponseti die AFS (als Fuß-Abduktions-Orthese) zum Einsatz. Sie dehnt die Füße jeden Tag über einen gewissen Zeitraum wieder auf, um die Hyperabduktion und Dorsalextension und damit die Korrektur zu halten.

Im Vergleich:

Bei Zukunft-Huber wird die Korrektur ausschließlich über die Mobilisation der Weichteile mit gleichzeitiger Dehnung der verkürzten Strukturen erreicht. Die Knochen werden nicht geführt, sondern die korrekte Gelenkstellung (und damit auch Knochenposition) wird über die Dehnung und Mobilisierung erreicht. Der Fuß wird bis zur Neutralstellung gebracht (von oben gesehen), die Spitzfußstellung wird wenn möglich über Dehnung ausgeglichen.

Bei Ponseti geschieht die Korrektur über eine Kombination von Dehnung und Knochenrückführung. Der Fuß wird in eine Hyperabduktion von 70° gebracht, die Dorsalextension wird als gut angesehen, wenn sie mehr als 10° nach Gipsabnahme beträgt (wobei Ponseti sagt, dass nach Laufbeginn eine weitere Verbesserung der Dorsalextension zu erwarten ist).

Bei Zukunft-Huber wird die Korrektur über einen Wickel (Mullbinde um den Vorfuß) gehalten. Das ist möglich, weil die jeweils erreicht Korrektur relativ klein ist und damit keine größere Gegenkraft entwickelt. Die Korrektur des Spitzfußes erfolgt (wenn nicht operiert wird) über einen langen Zeitraum und wird dabei von der Entwicklung des Kindes unterstützt, wenn es zu laufen beginnt.

Bei Ponseti wird die Korrektur zunächst über Gipse, dann über eine Schiene gehalten. Der Fuß ist extrem nach außen gedreht und auch die Achillessehne wird gedehnt. Die Hyperabduktion und Dorsalextension müssen gehalten werden um den Verkürzungen bzw. der Tendenz dazu (also einem Rezidiv) entgegenzuwirken. Das kann nur über eine Schiene geschehen - eine Binde um den Vorfuß kann weder eine Hyperabduktion noch eine Dorsalextension erzeugen.

 


Mir stellt sich hier die Frage danach, ob es überhaupt sinnvoll ist, die beiden Methoden zu kombinieren. Während der Korrektur ist es nicht möglich, da diese unterschiedlich erzeugt wird - wendet man primär Ponseti an, kann man wegen der Gipse keine manuelle Therapie durchführen bzw. eine funktionelle Binde ist nicht in der Lage, die Korrektur, die durch die (Ponseti-)Redression erreicht wurde, zu halten (bzw. die Stellung, die für diese Korrektur nötig ist). Behandelt man primär nach Zukunft-Huber, hat man überhaupt keine Ansatzmöglichkeit für die Ponseti-Behandlung.

Nach erfolgter Korrektur nach Ponseti kann die notwendige Fußposition wie oben beschrieben nicht gehalten werden. Es gibt keinen Korrekturgriff in der Behandlung nach Zukunft-Huber, der den Fuß in die Hyperabduktion dehnt (sie ist ja auch in ihrem Behandlungskonzept nicht vorgesehen). Überhaupt gibt es in den beiden Konzepten nicht einen Behandlungsgriff, der gleich wäre. Es stellt sich also die Frage, ob man einen korrigierten Fuß überhaupt noch mit Behandlungsgriffen bearbeiten soll, die eine Korrektur erzeugen sollen…

Für operierte Füße eignet sich das Konzept (bzw ein Teil der Behandlungsgriffe) wiederum hervorragend, da es ja um die Mobilisation und Dehnung kontrakter Strukturen geht - was ja durch die Vernarbung nach der OP der Fall ist.

Ich hoffe, dass die Unterschiede klar geworden sind. Um sich das Behandlungskonzept nach Zukunft-Huber besser vorstellen zu können (und sich die Behandlungsgriffe ansehen zu können) empfiehlt es sich, mal in ihr Buch "Der kleine Fuß ganz groß" zu schauen.

 

Vielen Dank an Dr. Eberhardt für die Durchsicht des Artikels!

Literaturverzeichnis:

Ignacio V. Ponseti
"Congenital Clubfoot: Fundamentals of Treatment"
Oxford Press
1996

Barbara Zukunft-Huber
"Der kleine Fuß ganz groß"
Urban & Fischer bei Elsevier
2004

August 2006